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“Wer jetzt sein Geld auf dem Konto liegen lässt, bekommt nichts mehr dafür” – Interview mit einem Investmentberater

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Marc Neumann war in einer Bank tätig und hat BWL studiert. Seit vier Jahren ist er Investmentberater – mittlerweile als Partner eines Hamburger Investmenthauses. Im Interview verrät er uns, worauf man bei der Geldanlage achten sollte und warum der Spaß dabei nicht zu kurz kommen darf.

Du bist bestimmt nicht zufällig Investmentberater geworden. Was gefällt dir an dem Job?

„Eine Affinität zu Zahlen war schon immer da. Seit meinem zwölften Lebensjahr interessiere ich mich für Aktien, daraus hat sich eine Leidenschaft entwickelt. Mich interessieren vor allem feste Gesetzmäßigkeiten. Also, dass ich genau weiß, wenn ich das und das mache, dann kommt das und das am Ende raus. Kreativität ist natürlich trotzdem erlaubt. Als Investmentberater würde ich mich so beschrieben: Rational mit emotionalem Touch.”

Und im schicken Anzug?

„Ich habe die Wallstreet-Filme gesehen, aber ein Anzug ist für mich nicht entscheidend. Mir ist wichtig, dass das Thema transparent dargestellt wird und man den Durchblick hat. Nur dann kann man bestimmen, wo das Kapital landet und so gesellschaftlichen Einfluss nehmen. Im besten Fall so, dass Menschen etwas Gutes davon haben. Als Berater erteile ich kurzfristiger Gewinnmaximierung deshalb eine Absage. Nachhaltigkeit ist nicht nur im Umweltbereich ein großes Thema, sondern auch in meiner täglichen Arbeit.

Reden wir über deinen beruflichen Alltag. Wie würdest du den beschreiben?

„Ich sehe mich in erster Linie als Coach. Für viele ist das Thema Investment nur ein trockenes Nutzengut, bei dem Spaß außen vor bleibt. Das muss aber nicht so sein. Deshalb gebe ich meinen Mandanten viel Transparenz und nehme mir auch die nötige Zeit für sie. Ich möchte sie dafür begeistern, etwas aktiv zu gestalten. Wenn mir das gelingt, entwickeln sie auch Freude an dem Thema. Ganz einfach, weil sie wissen, was da passiert. Wenn man nur einmal im Jahr einen Zettel zum Abheften bekommt, stellt sich dieses Gefühl nicht ein.”

Meine Mission: Auf Augenhöhe für das Thema begeistern.

Positive Emotionen spielen beim Investieren also eine große Rolle?

„Kurzfristig sollte man nie emotional handeln. In der Praxis erlebe ich oft, dass schlechte Erfahrungen gemacht wurden, etwa in der Dotcom-Blase im Jahr 2000, wo aus der Emotion heraus kurzfristig Aktien gekauft wurden, die mit hohen Verlusten genauso kurzfristig wieder verkauft wurden. Das hat viele verschreckt. Das Problem ist: Investieren wird oft mit kurzfristigem Spekulieren verwechselt – damit hat meine Arbeit aber nichts zu tun. Ich entwickle keine schnelllebigen Konzepte, sondern plane meist mit Zeiträumen von 30 oder 40 Jahren. Dann wird das ganze Thema zu einer verlässlichen Größe.”

Man muss also kein Millionär sein, um erfolgreich zu investieren?

„Viele Mandanten sind total überrascht, was man für Ergebnisse erzielen kann, wenn man verhältnismäßig kleine Beträge von 25 oder 50 Euro zurücklegt – und das eben über 30 oder 40 Jahre. Was sich entwickeln kann, wenn man exponentiell denkt und investiert, wird oft völlig unterschätzt. Eine weitere Hemmschwelle ist aber auch mangelndes Wissen. In der Schule wird nicht über Aktien und Zinseszins geredet. Ich finde das schade.”

Viele Menschen denken leider nicht exponentiell, sondern linear.

Menschen haben ja ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Ziele. Wie gehst du damit um?

„Ein Girokonto und ein Sparbuch haben viele, mit Investments wird sich oft gar nicht beschäftigt – in dem Fall kläre ich zunächst über alle Möglichkeiten auf. Andere Mandanten beschäftigen sich schon intensiver mit dem Thema, da findet dann auch häufig ein intensiver Austausch statt. Es geht also immer darum: Was sind die konkreten Vorstellungen und wie kann ich diese am besten realisieren? Das kombiniere ich am Ende zu einem Gesamtkonzept, das zu den jeweiligen Bedürfnissen passt. Dabei bevorzuge ich einen erlebnisorientierten Ansatz.”

Erlebnisorientierter Ansatz? Kannst du das etwas ausführen?

„Ein Investment muss Spaß machen, damit es erfolgreich ist. Wir bezeichnen das auch als Gamification. Wenn man Abläufe erlebnisorientiert gestaltet, wird das Thema greifbar und gleichzeitig attraktiv. Eine moderne Kunden-App gehört für mich genauso dazu wie ein persönlicher Online-Zugang für einen engen Austausch mit dem Berater. Mir ist wichtig, dass jeder genau weiß, was und wofür er das eigentlich macht.”

Investieren muss unterhaltsam und attraktiv verpackt werden.

Zum Abschluss hätten wir noch gern deine Einschätzung: Jetzt investieren? Eine gute Idee?

„Das Thema war noch nie so aktuell wie heute, das merke ich auch in den Gesprächen. Meine Mandanten sind mittlerweile viel aufgeschlossener, wenn es ums Investieren geht. Das hat einen einfachen Grund: Es gab noch nie einen so langen Niedrigzins-Zeitraum wie heute. Seit der Finanzkrise Ende der 2000er soll Geld nicht mehr gespart werden, sondern die Wirtschaft ankurbeln. Wer jetzt sein Geld auf dem Konto liegen lässt, bekommt nichts mehr dafür – es wird sogar inflationsbedingt noch weniger. Ich würde sogar sagen, dass langfristige Aktieninvestments alternativlos sind, wenn man sein Geld langfristig vermehren will.”

 

Sei dir bewusst, dass Investieren Risiken birgt und du deine Investments (zum Teil) verlieren kannst.

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